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Wird Boris Reitschuster für seine antirussische Propaganda bezahlt?

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Boris Reitschuster, Ex-Mainstream-Journalist und aufgrund seiner Corona-Berichterstattung so etwas wie der Held der Querdenkerszene, gerät aufgrund seiner extrem einseitigen und mainstreammäßigen antirussischen Berichterstattung zunehmend in Kritik: Wird er etwa für seine antirussische Propaganda von einem westlichen Thinktank bezahlt?

(Hans U. P. Tolzin, 10.05.2022) Irgendwie war Boris Reitschuster auch mein Held. Lange Jahre Mainstream-Journalist, besann er sich bei Corona eines Besseren und hat inzwischen eine der meistgelesenen coronakritischen Webseiten des deutschen Sprachraums.

Was mich jedoch immer schon und zunehmend seit dem Ukraine-Krieg irritiert hatte, war die radikale Anti-Putin-Linie in Reitschusters Artikeln: Wer Reitschuster in der Ukraine-Frage liest, wird kaum einen Unterschied zur einseitigen Mainstream-Propaganda des Westens feststellen.

Das Irritierende dabei ist, wie es sein kann, dass ein erfahrener Journalist wie er, der bei einem zentralen Thema wie Corona das Spiel der Massenmedien durchschaut und sich konsequent seine eigene Meinung bildet, bei einem anderen zentralen Thema wie Putin und Russland scheinbar keine eigene Meinung hat, sondern genau in das gleiche Horn bläst, und das immer und immer wieder.

Das neueste Beispiel: Putin sei bei seiner Rede am "Tag des Sieges" auf dem Roten Platz ungewöhnlich kleinlaut gewesen. Nun, Putin hat eine Rede über die Millionen von Todesopfern gehalten, die der zweite Weltkrieg unter den Völkern der Sowjetunion gefordert hat. Ich persönlich denke, da sind keine scharfen Töne angesagt, kein Säbelrasseln und Kriegsgeschrei, sondern Nachdenklichkeit, Trauer und Mitgefühl mit den Opfern und ihren Verbliebenen. Wobei Putin eigentlich bei seinen Reden noch nie laute und aggressive Worte verwendet hat, zumindest soweit wie ich das bisher mitbekommen habe. Aber in den Augen und Ohren von Reitschuster kommt das "kleinlaut" rüber, quasi als Eingeständnis einer drohenden militärischen Niederlage in der Ukraine.

Außerdem, so Reitschuster, sei es völlig unwesentlich, was Putin tatsächlich zu sagen habe. Denn als ehemaliger KGB-Mitarbeiter sei klar, dass er grundsätzlich die Wahrheit verschleiere. Nun, als mündiger Medienkonsument weiß ich sehr wohl, dass das gesprochene und geschriebene Wort nicht automatisch wahrhaftig ist. Allerdings muss ich diese Worte erst einmal kennen, um dann anhand der Taten oder Zeugenberichten beurteilen zu können, ob jemand wahrhaftig ist.

Die Worte Putins ungekürzt und im Zusammenhang zu übersetzen, ist Reitschuster allerdings entweder zu mühsam oder er selbst ist seinen Lesern gegenüber nicht wahrhaftig.

Für das merkwürdige Verhalten Reitschusters gibt es nun eine mögliche Erklärung. Thomas Röper, den bis vor kurzem nur eingefleischte Abonnenten von nuoviso.tv kannten, und der direkt aus St. Petersburg und neuerdings auch aus dem umkämpften Osten der Ukraine berichtet, hatte Reitschuster nach eigenen Angaben mehrfach zu einem öffentlichen Disput aufgefordert.

Denn Röper, den ich als unabhängigen Journalisten und Autor eines Buches über Putin sehr schätze, berichtet in einem völlig anderen Tonfall als Reitschuster. Er übersetzt seit Jahren die Reden Putins und kommentiert sie erst danach.

Im Gegensatz zu Reitschuster - und den westlichen Massenmedien - blendet Röper auch die Hintergründe des Maidan-Putsches von 2014 und die ukrainische Provokationspolitik gegenüber Russland nicht einfach aus. Gut und Böse stellen sich in diesem Konflikt eben nicht ganz so eindeutig dar, wie die Westmedien - und Reitschuster - behaupten.

Reitschuster soll bis heute dieses Angebot von Röper nicht angenommen haben. Das ist sehr bedauerlich. Denn falls das zutrifft, was Röper über die möglichen Hintergründe herausgefunden hat, wird Reitschuster möglicherweise von einem englischem Thinktank für seine antirussische Propaganda bezahlt.

Dieser Thinktank wurde 2015 mit dem ausgesprochenen Ziel gegründet, die Verbreitung der russischen Sichtweise in der westlichen Öffentlichkeit zu neutralisieren. In einem Dokument des Thinktanks heißt es, es wäre erstrebenswert, Boris Reitschuster aufgrund seiner Gegnerschaft zu Putin in den Propagandakampf zu rekrutieren.

Und tatsächlich hatte Reitschuster genau 2015 den FOCUS verlassen und ist seither Freelancer. Wovon er von da an lebt, konnte Röper nicht herausfinden.

Und, Hand aufs Herz: Wäre es nicht ein genialer Schachzug der US-treuen Geheimdienste, durch einen wahren Helden der Querdenkerszene für eine Spaltung genau dieser Szene gesorgt zu haben? Und diese Spaltung ist durchaus spürbar, insbesondere für die Macher von nuoviso.tv, die zum Teil sehr kontroverse Rückmeldungen bekommen.

Nun, ich hatte die Kanäle von Reitschuster aufgrund der erwähnten Unstimmigkeit in seiner Berichterstattung eigentlich nie abonniert. Nun werde ich das wohl auch in näherer Zukunft nicht tun.

Aber vielleicht wird Boris Reitschuster ja Unrecht getan und es gibt einen anderen, allein persönlichen Grund für seine antirussische Haltung? Wenn dem so wäre, so verdienen es seine Leser, das zu erfahren.

Deshalb fände ich es super, würde sich Boris Reitschuster der Herausforderung Thomas Röpers zu einem öffentlichen Disput stellen. Das würde ich mir ganz sicherlich von Anfang bis Ende anschauen.

Und wenn es sich herausstellt, dass Reitschuster mit diesem Verdacht wirklich Unrecht getan wird, werde ich mich auch gerne öffentlich an dieser Stelle bei Boris Reitschuster entschuldigen.

Quelle:
Integrity Initiative: Wird Boris Reitschuster für anti-russische Propaganda bezahlt?