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Dagmar Braunschweig-Pauli Zwar kann die Sonnenallergie, eine spezielle Form der vielgestaltigen Lichtallergie, auch durch Medikamente ausgelöst werden, z.B. durch Tetracycline (d. sind Antibiotika), Chinolone (gegen Harnwegsinfektionen), Antimykotika (gegen Pilzinfektionen), Anthelminthika (gegen Würmer), und Salicylsäure und ihre Derivate, aber Medikamente sind nicht ausschließlich die Auslöser der verschiedenen Schweregrade der Lichtempfindlichkeit. Die unter den Fachbegriffen "Photosensibilität"," Photodermatose / Lichtdermatose" , "Photophobie" und "Phototoxizität" in medizinischen Handbüchern behandelten Krankheitserscheinungen sind polymorph, d.h. vielgestaltig, auch in ihren Ursachen, zu denen außer den bereits erwähnten Medikamentengruppen auch Schilddrüsenerkankungen, Lebensmittelfarbstoffe ( z.B.E127) und Jod zählen. Man unterscheidet zwei Gruppen der Photosensibilität: 1. die erworbene, die sich durch die oben genannten Auslöser erst im Laufe des Lebens mehr oder weniger stark entwickelt, und mit einigem Erfolg behandelbar ist, vor allem wenn man den allergieauslösenden Stoff richtig erkennt und wegläßt, und 2. die angeborene, bzw. erbliche Lichtempfindlichkeit, die meist tödlich endet. Wer sich schon einmal einer Schilddrüsenbehandlung hat unterziehen müssen - und das ist laut Expertenaussage schon jeder 3. Deutsche -, der wird sich zweifellos an die Warnung des behandelnden Endokrinologen erinnern, die sich auf die im Zusammenhang mit der Schilddrüsenerkrankung stehenden Licht- oder Sonnenempfindlichkeit bezieht: "Vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung, und bitte keine Sonnenbäder, das bekommt Ihnen nicht mehr!" Tatsächlich gehört zu den klassischen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion, von autonomen Bereichen in der Schilddrüse und von Morbus Basedow die sogenannte Wärmeintoleranz, auch "Photophobie" genannt, bei der es durch Lichteinfluß zu Augensymptomen wie Schleiersehen, verstärktem Tränenfluß und Doppelsehen kommt. Fast 90%
der Patienten mit Morbus Basedow entwickeln diese milde bis sehr ausgeprägte
"endokrine Orbitopathie", wobei auch der Grad der Lichtempfindlichkeit
dem Grade der Orbitopathie entspricht. Zum anderen kann eine deutliche Verbesserung dieses Krankheitszustandes aber auch erreicht werden, wenn Jod, das bei Schilddrüsenüberfunktion und Morbus Basedow im übrigen streng kontraindiziert ist (weil es die Symptome verstärkt und die Krankheit verschlimmert), konsequent weggelassen wird. Aber man
muß nicht unbedingt schilddrüsenkrank sein, um eine starke
Lichtempfindlichkeit zu entwickeln. Nachdem
sie aber der ärztlichen Anordnung, kein Jod mehr zu sich zu nehmen
gefolgt waren, legte sich überraschenderweise auch die extreme
Lichtempfindlichkeit, so daß derjenige, der früher sogar
bei bedecktem Himmel die Sonnenbrille brauchte, um den durch Licht
ausgelösten Tränenstrom zu verhindern, auf einmal gar keine
Sonnenbrille mehr brauchte. Auch bei Sonnenschein nicht. Derjenige
Lebensmittelfarbstoff, der die stärkste bis jetzt belegbare phototoxische
Reaktion auslöst, ist der rote Farbstoff "Erythrosin"
(=E127), der für Süßigkeiten, Obstkonserven , z.B.Cocktailkirschen,
und Marmeladen verwendet wird. Wenn es tatsächlich, wie die entsprechenden Leitsymptome nahelegen, das Jod in Erythrosin war, das die Photosensibilisierung ursächlich ausgelöst hat, erklärt sich die Besserung des Zustandes der Patientin zu diesem Zeitpunkt allein durch das Weglassen des jodhaltigen Farbstoffes bei sonst unjodierten Lebensmitteln. In Deutschland
werden etwa ab 1993 in steigendem Maße die Lebensmittel und
Mineralfuttergemische für Nutzvieh jodiert, so daß außer
dem jodhaltigen Farbstoff nun auch fast sämtliche Lebensmittel
jodiert sind. Anerkanntermaßen
sind es vor allem die UV-Strahlen, die bei Photodermatosen die Hautveränderungen
bewirken. Es gibt
Bemerkungen von Patienten, die wie ein Schlaglicht Zusammenhänge
erkennen lassen, wenn man die toxische Wirkungsweise bestimmter Gefahrenstoffe
kennt. Bedenkenswert ist es schon, daß man immer auch auf Jod als möglichen Krankheitsauslöser stößt, wenn man sich intensiv mit den Formen der Lichtallergie befaßt. So weist interessanterweise Japan, das Land mit dem höchsten natürlichen Jodvorkommen der Erde, weilweit auch die höchste Rate an erblichen Lichtüberempfindlichkeiten (=Xeroderma pigmentosum) auf: einer von 40.000 Japanern leidet an dieser Lichtallergie. In den USA, wo sich auf Grund der Verwendung eines jodhaltigen Mehlbleichmittels auch sehr viel Jod in den Lebensmitteln befindet, aber eben nicht so viel wie in Japan, leidet dagegen nur einer von 250.000 Amerikanern an der erblichen Xeroderma pigmentosum. Der Ärzteverband
Deutscher Allergologen schätzt laut Pressenotiz vom 14.7.2001,
"daß bei zunehmender Tendenz bis zu 20% aller Menschen
darunter" (gemeint ist die Lichtallergie) "leiden." Literatur:
Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch, 258. Auflage 1998
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