Die andere Seite der Abtreibung
Februar 2000

Ab wann ist ein Mensch ein Mensch?
Bei der Diskussion darüber, ab wann ein Mensch ein Mensch und sein Leben schützenswert ist, muß man darauf achten, WER es sagt und MIT WELCHEM INTERESSE er/sie es sagt. Denn es ist schlichtweg unmöglich, einen Zeitpunkt festzulegen, wann der "Zellklumpen" aufhört, ein solcher zu sein und zu einem Menschen wird. Rückführungstherapien und die pränatale Psychologie beweisen, daß bereits der Fötus seine Umgebung wahrnimmt, Gefühle hat, hört, sieht, und sogar wahrnimmt, ob es geliebt oder abgelehnt wird.  

Ist damit die Behauptung, das Kind bekomme seine Abtreibung nicht mit, leide nicht und fühle keinen Schmerz, sei kein Mensch und könne deshalb getötet werden,  nicht  wiederlegt? 

Die Zeugung wird durch die Erkenntnisse der regressiven Therapien und pränatalen Psychologie zur einzig akzeptablen Grenze. Dies anzuerkennen ist für mich eine Frage des gesunden Menschenverstandes.

Jedes Argument, daß die Menschwerdung auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt, muß also auf seine darunterliegende Motive abgeklopft werden. Man denke sich: Manche Ärzte behaupten allen Ernstes, der Mensch würde erst zum Menschen, wenn er sich sprachlich aritkulieren könne, also mit etwa 3 Jahren! Abtreibung bis 3 Jahre? Warum nicht, schließlich hat das Argument ebenso viel für sich wie das Argument einer 12-Wochen-Frist oder 18-Wochen-Frist ect.

Schwangerschaft - ein einscheidendes Ereignis
Eine Schwangerschaft ist ein ausserordentlich einschneidendes Ereignis für eine Frau und durchaus auch für den Partner. Daß viele Betroffene sich nicht für reif oder stark genug halten, den Anforderungen der Elternschaft gerecht zu werden, ist verständlich. Andere Gründe, das Kind abzulehnen, ist der mit ihm verbundene materielle und gesellschaftliche Abstieg: Obwohl wir uns christliches Abendland nennen, zählen materielle Güter, Ansehen und gesellschaftliche Position mehr als innere Werte (das behaupte ich einfach mal. Wiederspruch?) Kinder haben  bedeutet aber materiellen Abstieg, denn ohne zusätzliche finanzielle Basis ist es sehr schwer, die Familie mit nur einem Verdiener gut durchzubringen. Ja zu den Kindern heisst im Grunde ja zu nur einem Verdiener.

Unehrlichkeit allenthalben
"Mein Bauch gehört mir" sagen abtreibende Frauen und meinen damit ihr Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper. Die meisten Ärzte und Beratungsstellen unterstützen die Frauen in ihrem Wunsch, das unerwünschte Kind loszuwerden und das "weiter nichts dabei sei."

Doch ist die ganze Diskussion und der Umgang der meisten Beteiligten von einer grossen Unehrlichkeit geprägt. Ähnlich wie in der Homosexualitäts-Diskussion weigern wir uns, wirklich hinzuschauen und die Realität so wahrzunehmen, wie sie ist. Welche Realität meine ich?

Nebenwirkungen der Abtreibungsmedikamente:  Die Abtreibungs"medikamente" haben oft sehr schädliche Nebenwirkungen, unter denen die betroffenen Frauen unter Umständen sehr leiden. Was Ihnen Ihre Beratungsstelle und Ihr Arzt möglicherweise nicht über RU486 erzählen, erfahren Sie z. B. hier oder hier oder hier

Langer und schmerzhafter Abtreibungsprozeß: Der Abtreibungsprozeß kann sich über Tage hinziehen und so schmerzhaft oder noch schmerzhafter als eine normale Geburt sein.

Psychische Traumata: Die psychischen Folgen einer Abreibung können Ausmasse annehmen, die die Lebensqualität entscheidend beeinträchtigen - mehr als es ein ausgetragenes Kind je könnte. Karin Struck schrieb ein Buch darüber: "Ich seh' mein Kind im Traum". Eigentlich logisch: Schließlich ist der Körper - und im Grunde auch die  Psyche der Frau voll darauf eingestellt, Leben zu gebären und zu bewahren. Stattdessen läßt entscheidet sie sich aus Angst heraus gegen ihre Natur. Realität heisst hier, dass die Abtreibung emotional verarbeitet werden muss. Siehe auch 

Die Entscheidung gegen das Kind ist immer eine Entscheidung aus Angst. Angst vor der "Schande", Angst vor der Verantwortung, Angst vor den Angehörigen, Angst vor dem Sozialen Abstieg, Angst vor...
Und ist Angst nicht ein schlechter Lehrmeister für Entscheidungen? 

Die Schuld: Die abtreibenden Eltern stehen - ob sie wollen oder nicht - in der Schuld des abgetriebenen Kindes, das sein Leben für das Glück seiner Eltern gab. Schuld wird dabei von einer Instanz in uns erzeugt und existiert grundsätzlich unabhängig davon, wie unsere Umgebung zu unserer Abtreibung steht. Hinter der Schuld steht die  von Bert Hellinger entdeckte Gesetzmäßigkeit des Ausgleichs, die sich durch Gefühle von Schuld und Unschuld äußert und im Grunde der Erhaltung unserer Beziehungen dient. Siehe auch den Beitrag über: Abtreibung aus der Sicht der Familienaufstellung

"Ich habe schon ein Belegbett für Sie reservieren lassen".
Die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft und ihre Institutionen mit unerwünschten Schwangerschaften umgehen, ist geprägt von dem Bestreben, sich das "Problem" möglichst schnell vom Halse zu schaffen und die Schwangere entsprechend zu beeinflussen. Mir kommt es wie ein Zwang vor, unter dem die Beteiligten agieren.

Eine Unterstützung der elterlichen Entscheidung für das Kind findet kaum statt. So drängen Ärzte die Frauen, denen sie ihre - ungewollten - Schwangerschaft  verkünden, sofort der Abtreibung zuzustimmen. Und das in einer Situation, wo zunächst eine intensive Auseinandersetzung mit der neuen Situation angesagt wäre. Schliesslich ist eine Schwangerschaft und eine geplante Abtreibung - entgegen anderslautender Behauptungen - keine Bagatelle. Oder doch?

Überhaupt spielen Ärzte oft eine merkwürdige Rolle in dem Geschehen. Nicht nur, dass sie entgegen ihrem Eid  Frauen zur Abtreibung drängen und Abtreibungen vornehmen. Es gibt genügend makabre Fälle, wo Kinder, die trotz frühzeitig künstlich ausgelöste Wehen lebend zur Welt kommen und auch nach Stunden einfach nicht sterben wollen. Nebenan wird das gleich alte "Frühchen" mit allen ärztlichen Mitteln versorgt, hier aber läßt man es in der Hoffnung liegen, dass es möglichst "freiwillig" stirbt. Es wird aber auch von Fällen berichtet, wo "lebend Abgetriebene" im Eimer ertränkt wurden, weil sie einfach nicht aufhörten, um ihr Leben zu kämpfen. 

Ich frage mich, wie ärztliches Personal mit der aktiven Tötung solcher Kinder innerlich verarbeitet. Zum Thema von abgetriebenen Kindern, die nicht sterben wollten, siehe auch www.tim-lebt.de. Dass Tim nicht nur ein Einzelfall ist, zeigt diese Seite.

Die Rolle der Pharmaindustrie
Die Abtreibungs"medizin" ist ein großer Markt, auf dem es um viel Geld geht. Doch der vielleicht größte Skandal - und Mantel des Schweigens - liegt wohl über dem Bestreben der Industrie, aus dem "Zellmaterial" der abgetriebenen Kinder Kosmetika und Mittel zu Verjüngung zu gewinnen. Wer angefangen hat, unseren medizinisch-pharmazeutischen Kompflex zu hinterfragen, dem erscheint das nicht mehr undenkbar, angesichts vieler anderer Unwahrheiten und Verstrickungen der "modernen" Medizin. Jedenfalls: Das für abgetriebene Föten gebotene Geld kann den Interessenskonflikt des an der Abtreibung beteiligten medizinischen Umfeldes nur zum Nachteil der Kinder (und der Mütter) verschärfen.

Ist behindertes Leben unwertes Leben?
Die moderne Medizin nimmt für sich in Anspruch, Behinderungen bereits während der Schwangerschaft voraussagen zu können und stellen damit die werdenden Eltern vor einer Alternative, die ohne diese Untersuchungsergebnisse nicht existieren würde.

Dazu ist zum einen zu sagen, daß die Prognosen viel öfter "in die Hose gehen", das heisst schlichtweg falsch sind, als allgemein bekannt. Es stellt sich damit die Frage, inwieweit diese Prognosen eine Entscheidungsgrundlage für eine Abtreibung sein können.

Im Gegenteil: Solche ärztlichen Eröffnungen können leicht zur sich selbst erfüllenden Prophezeihung werden, wenn sie die Eltern, insbesondere die Mutter in Panik versetzen, was wiederum (siehe pränatale Psychologie) negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben kann.

Zum Anderen stellt sich eine Frage, die wir eigentlich mit der Überwindung des "tausendjährigen Reiches" glaubten abgehakt zu haben: Die Frage nach dem Wert oder Unwert behinderter Menschen. Ist ein behinderter Mensch weniger lebenswert? Ist ein behinderter Mensch automatisch unfähig zu Gefühlen, Bewusstheit und Lebensfreude? Ist er nicht wert zu leben, weil er seiner Umgebung eine Last sein könnte? Wie Behinderte und Menschen, die ihre Abtreibung überlebt haben, dazu stehen, zeigen einige der untenstehenden Links.

Leben und Sterben in Würde
Letzes Jahr sah ich einen Fernsehbeitrag, der mich außerordentlich berührte: Ein Elternpaar hatte sich entschieden, ein ungeborenes Kind, dem wegen einer schwerwiegenden Störung keine Lebensfähigkeit bescheinigt wurde, gegen den Rat der Ärzte auszutragen. Obwohl es klar war, daß dieses Kind nicht selbst würde atmen können. In dem Beitrag wurde gezeigt, wie das Kind zu Hause und im Kreise der Familie geboren wurde. Es lebte nur kurz. Aber es lag auf dem Bauch seiner Mutter und wurde von Eltern und Geschwistern gestreichelt, betrauert und verabschiedet. Dieses Kind schlief sichtbar friedlich, ohne jeden Todeskampf ein. Mir liefen die Tränen über das Gesicht, und so leicht weine ich wirklich nicht. Diese Familie gab mir einen Eindruck, wie "es sein könnte". Gab mir einen Eindruck von... mir fällt dazu nur das Wort   W ü r d e   ein.
Ich glaube, unsere Gesellschaft hat kein Gespür für Würde, für der Wert des Lebens, für Achtung und Achtsamkeit. Leider kann ich mich da nicht ganz ausschliessen, auch ich bin ja ein Teil dieser Gesellschaft.

Hilfen für Schwangere
Es gibt durchaus mehr Hilfen, die ungewollt Schwangere für sich und ihr Kind in Anspruch nehmen können, als gemeinhin bekannt. Informationen hierzu gibt es u.a. bei den untenstehenden Links.

Verbreiten Lebensschützer Ängste und Schuldgefühle?
Oder legen sie nur den Finger auf eine Wunde, die bereits vorhanden ist?
 
Sehr leicht argumentieren Lebensschützer emotional und müssen sich dem Vorwurf stellen, Ängste und Schuldgefühle betroffener Mütter zu schüren. Vielleicht handeln viele Lebensschützer auch so und schiessen über das Ziel hinaus. Nobody ist perfect.

Dem steht jedoch gegenüber, dass Ängste und Schuld dem Entscheidungs- und Abtreibungsprozess innewohnen (!), ein untrennbarer Teil davon sind.  Die Psychologie lehrt uns, dass sich verdrängte Gefühle auf irgendeine (krankmachende) Art zurückmelden. Ein Mensch, eine Gesellschaft, die nicht in der Lage ist, sich konstruktiv mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen und Traumata aller Art aufzuarbeiten, ist mehr oder weniger krank. (Siehe auch meinen Beitrag über Sucht und Gesellschaft) 


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